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Lokmodelle der Ae 417/ 476 / 477 der Schweizer Privatbahnen MThB, GFM und SOB Die Geschichte der Entstehung und des Niedergangs der Baureihe Ae 477 kann weiter unten auf dieser Seite oder nachgelesen werden. Diese Baureihe rollte in zahlreichen, sehr auffälligen Lackierungen über die Schweizer Schienen. Unser TT- Lackier- und Umbauspezialist Rico Köthe hat alle Ausführungen der Ae 476 / Ae 477 in exzellenter Qualität umgesetzt. Als Basis für den Umbau diente wie beim grossen Vorbild die ehemalige DDR-Baureihe 242. Die hier gezeigten Modelle basieren auf einem Serienmodell der Baureihe 242 von Tillig. Der Dachaufbau wurde jeweils vorbildgerecht umgeändert.
Ae 477 als "Kantonalbanklok" - hier die "Thurgauer Seite" (Foto: Buchmann-TT)
Nachfolgend gezeigte Ae 477- Modelle sind nichtkommerzielle Einzelstücke und stammen von Rico Köthe.
Ae 477 mit Werbung der Helvetia Patria- Versicherung
Ae 477 mit Bergbahnen-Werbung "Stoos"
Ae 477 mit Werbung der Fa. Biberbau
Ae 477 der MThB als "Maler-Lok" (teilweise zugerüstet) Das Original MThB Ae 477 909-6 (ex 242 128) am 10.5.1997 bei der 150 Jahrfeier der Schweizer Eisenbahnen in St. Gallen (Foto: Gilbert Gangermann )
Ae 477 der MThB mit Stadtwerbung für Kreuzlingen
Ae 477 der MThB nachtblau lackiert als "Orient-Express"
Ae 477 in den Farben der "DIE-LEI GMBH" (Umlackierung nach der Rückkehr nach Deutschland)
(Bild folgt) Ae 477 "Lokoop"
Ae 417 der GFM (diese Variante hatte keine Dachwiderstände)
Ae 477 "Classic Rail" der SOB - auch diese hatte keine Bremswiderstände auf dem Dach
Ae 477 in der Lackierung der "Hockey Thurgau"
Ae 476/ Ae 477 und Ae 417 in der Schweiz In den 1990er-Jahren herrschte speziell bei den kleineren Privatbahnen in der Schweiz akuter Lokmangel, und dort insbesondere bei der Südostbahn (SOB). Neubeschaffungen bei der Schweizer Lokomotivbauindustrie kamen jedoch wegen der zu erwartenden hohen Kosten nicht in Betracht und so hat man sich Occasions- Angebote aus dem Ausland eingeholt. Reaktionen kamen aus Polen, Schweden, der damaligen CSSR und aus den beiden Teilen Deutschlands. Die BR 242 der DR und die CSD- Version der BR 230 fielen in die engere Wahl. In einem mehrtägigen Testprogramm wurden beide Loks geprüft. Das Rennen machte auch auf den problematischen Steilstrecken der SOB mit bis zu 50 Promille Steigung die 243 der DR. Seit dem 8. August 1990 stand nun fest: mindestens drei 243 der DR werden vorerst eineinhalb Jahre bei der SOB Dienst leisten. Angemietet wurde u. a. die 243 922 / 143 922. Auch bei der damals stark expandierenden Mittelthurgau-Bahn (MThB) herrschte Anfang der 1990er Jahre Lokmangel. Um ihren Verkehr zu bewältigen versuchten auch sie Loks anzumieten. Ausleihbemühungen bei der SBB führten zu keinem Erfolg, da diese selbst mit den ungewöhnlich schweren Kinderkrankheiten der damals neuen Baureihe Re 460 belastet war. Das Beispiel SOB (Südostbahn), die zwei Jahre zuvor auch Loks der Baureihe 242 der DR und eine Lok der Baureihe 155 der DR angemietet hatte und sie überaus erfolgreich einsetzte, veranlasste die MThB im Dezember 1993 zu einem eigenen Versuch mit der 142 130 und 142 150 vom BW Erfurt. Da die Geschwindigkeitsleistungen der mittlerweile beider DB unter Baureihenbezeichnung 142 eingereihten Loks nicht mehr dem damaligen DB-Standard entsprachen, sollten die Loks dieser Baureihe bei der DB in grösserer Anzahl verschrottet werden. Das anspruchsvolle Versuchsprogramm sah Anfahrten mit einer und zwei Loks auf 20 Promille Steigungen im Bogen bei nasser Schiene mit 640t und 900t Anhängelast und Geschwindigkeitsfahrten auf der 20 Promille Steigung - mit 640t bei 12,5 bis 14 kV Fahrleitungsspannung vor. Die Loks erwiesen sich als ideale Lösung für die MThB und waren mit begrenztem Aufwand für die Schweizer Verhältnisse umrüstbar. Besonderen Charme hatte die angestrebte Lösung für die MThB, da sie diese Lok auch auf DB-Gleisen fahren konnte.
Was heisst nun "Ae 476" ? Das "A" kennzeichnet eine Lokomotive mit Vmax 100 km/h und "e" bedeutet elektrischer Antrieb. "4" steht für 4 angetriebene Achsen. "76" ist der Eigentümercode (Privatbahn / SOB). Alle Lokoop- Lokomotiven waren bei der SOB immatrikuliert und trugen daher den Präfix Ae 476.
Umbau der Ae 417 / 477 Nach dem Entscheid wurden 18 Loks beschafft und für Schweizer Verhältnisse hergerichtet. Wesentliche Änderungen betrafen den Dachaufbau. Durch den Einbau einer Widerstandsbremse und den dafür erforderlichen Dachwiderständen musste einer der Scherenstromabnehmer entfallen. Hierdurch bekamen die Loks ihr charakteristisches Aussehen. Mit der E-Bremse konnte auf dem Gefälle der SOB (50 Promille) eine Zuglast von 150 t in Beharrung gefahren werden. Aber auch sonst wurden deutliche Veränderungen vorgenommen, so durch den Einbau einer Mehrfachsteuerung. Durch den Einbau auf das Schweizerische System IIId konnten sämtliche damaligen SBB-Lokomotiven und Triebwagen (auch die Re 460) und Wendezüge gesteuert werden. Durch den vorgesehenen grenzüberschreitenden Verkehr wurde die Schweizer Integra- Zugsicherung mit der deutschen "Indusi" zusammengeschaltet, analog dem Zustand wie er auf verschiedenen MThB- Maschinen für den grenzüberschreitenden Verkehr via Konstanz bereits realisiert wurde. Weil alle Ae 477 freizügig eingesetzt werden sollten, wurde auch noch entschieden, dass für das System "ZUB" vorbereitende Verkabelungen durchzuführen sind. Dies war auch deswegen erforderlich, weil mit dieser Lokomotive täglich zwei Schnellzugpaare für Berufspendler im Bereich der S-Bahn Zürich gefahren werden sollten. Die vorhandenen Knorr-Führerbremsventile wurden gegen Oerlikoner Bremsventile ausgetauscht. Diese konnten aus ausgemusterten SBB-Maschinen preisgünstig beschafft werden. Somit war nun eine mehrlösige Bremse an Stelle der einlösigen Knorrbremse vorhanden. Der Umbau wurde in wesentlichen Teilen von der Fa. Stadler realisiert. Es wurden jeweils ca. 1200 Arbeitsstunden benötigt und das Lokgewicht erhöhte sich um ca. 2,5 t. Für insgesamt ca. 500'000 Franken, also für ca. 1/10 des Neupreises einer damaligen Re 460, konnte so eine Lok entstehen, welche die Erfordernisse der Privatbahnen abdecken konnte.
Ae 417 bei der GFM Vom 13. bis zum 15. Juli 1994 befand sich die 142 132 bei der damaligen westschweizer Bahn Gruyere - Fribourg - Morat (GFM), wo unter anderem eine Lastprobefahrt mit allen verfügbaren Fahrzeugen (ca. 480t ) durchgeführt wurde. Die GFM (Chemins de fer Fribourgeois Gruyère-Fribourg-Morat) schloss sich in der Folge der Lokoop- Beschaffung an, kaufte zwei Loks und reihte sie als Ae 417 191 (ehemalige DB 142 110) und Ae 417 192 (ex DB 142 145) ein. Die Überfuhr nach Bulle erfolgte am 23. März 1995. Diese Loks wurden in der Folge in der Hauptwerkstätte Bulle in ihrer nun charakteristischen orange / grauen Farbgebung lackiert. Äusserlich unterscheiden sich diese Loks der GFM auch durch die fehlenden Bremswiderstände auf dem Dach. Die übrige Ausrüstung ist identisch mit den anderen helvetisierten Maschinen.
2002 Konkurs von MThB und Lokoop Die Muttergesellschaft der Lokoop, die MThB, hat sich aufgrund von Mismanagement derart verhoben, dass sie in massive Liquiditätsprobleme geriet und 2002 Konkurs anmelden musste. Im Oktober 2002 wurde die MThB und ihre Tochtergesellschaft Lokoop nach der Insolvenz aufgelöst. Verkehre, Fahrzeuge und Personal gelangten nun zur mehrheitlich von der SBB gehaltenen Thurbo AG (Personenverkehr) bzw. zur SBB Cargo (Güterverkehr). Die SBB hatte jedoch keine Verwendung für die 18 Loks der Baureihe Ae 477. Diese wurden zunächst in Etzwilen bei Stein am Rhein am Bodensee abgestellt. Lediglich die Ae 477 915 wurde noch einige Zeit zur Beförderung eines Postzugpaares eingesetzt, bis auch sie endgültig abgestellt wurde. Anfang 2003 erwarb die Westfälische Almetalbahn (WAB) die achtzehn ehemaligen MThB-Loks von der SBB und überführte sie am 07.03.2003 in einem Lokzug über Singen ins nordrhein-westfälische Altenbeken. Lediglich die Ae 477 900 verblieb zunächst aufgrund eines Defektes in der Schweiz. In den folgenden Monaten nahm die WAB acht Loks wieder in Betrieb, die restlichen Loks blieben abgestellt. Aufgrund der in der Schweiz eingebauten Vielfachsteuerung können die Loks auch in Doppeltraktion verkehren. Die WAB setzte die überaus leistungsstarken Loks in der Folgezeit im Güterverkehr in ganz Deutschland ein. Die übrigen zehn Loks wurden verteilt auf mehrere Orte zunächst abgestellt und wurden nach und nach wieder in Betrieb genommen.
2012 - Was ist aus den Ae 417 / Ae 476 / Ae 477 geworden ? Die zurück nach Deutschland gekommenen Loks der Lokoop waren zunächst über die WAB eingesetzt. Zahlreiche Unter- und Weitervermietungen und Verkäufe in der Folgezeit zeigen, dass die Loks sich weiterhin bei verschiedenen Privatbahnen einer hohen Beliebtheit erfreuen, weiterhin im Einsatz sind und noch nicht zum alten Eisen gehören. Ein Grund der Beliebtheit dieser Lokbaureihe 10 Jahre nach ihrem viel zu frühen Ende in der Schweiz ist auch, dass die Loks längst abgeschrieben sind und daher die Betriebskosten diesbezüglich sehr überschaubar sind. Ausserdem stellen die über den Umweg Schweiz nach Deutschland zurückgekehrten Loks einen absoluten Ausnahmefall dar, da die DB üblicherweise ihre ausgemusterten Loks direkt dem Schrotthändler zur Vernichtung übergibt damit diese unter keinen Umständen in die Hände von möglichen Konkurrenten fallen können. Ein solcher Glücksfall für die Privatbahnen wie bei den von der DB ausgemusterten "Holzrollern" dürfte sich so schnell nicht wiederholen. Die "Alternative" ist die äusserst teure Beschaffung von Neubauten oder das ebenfalls teure Anmieten bei den Herstellern oder Vermietgesellschaften.
Einige der nach Deutschland zurückgekehrten Loks sind jedoch nie mehr zum Einsatz gekommen, werden aber als Ersatzteilspender noch genutzt. Fast alle im aktiven Einsatz befindlichen Loks haben ihre charakteristischen Schweizer Lackierungen verloren und zeigen sich im Farbdesign der jeweiligen neuen Besitzer. Erst im Herbst 2006 wurden die Ae 417 der GFM, das sich mittlerweile Transports Publics Fribourgeois (TPF) nennt, an die Eggegebirgsbahn GmbH nach Deutschland (zurück-) verkauft. Anfang 2008 trat auch die letzte noch in der Schweiz verbliebene Lok, nämlich die als allererste von der SOB direkt gekaufte Ae 476 012 (ex Ae 476 468, ex DB 142 042) den Weg zurück nach Deutschland an. Damit endete der Einsatz der DR-Loks in der Schweiz. Zum aktuellen Verbleib und Aussehen der ehemaligen Loks der Lokoop ist auch die Seite www.holzroller.de hilfreich. Dort finden sich detaillierte Lebensläufe. Hier nur der grobe Überblick:
Zum aktuellen Verbleib der ehemaligen Loks der Lokoop ist auch die Seite www.holzroller.de hilfreich. (vielen Dank an dieser Stelle auch an Alfred Buchmann aus Chur der einige Fakten zur Geschichte der Ae 477 beisteuerte)
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22.04.2012 Disclaimer |