TT-Freunde  Schweiz       

+++++ Roco Neuheiten 2012: Schiebewandwagen "Sihl + Eika" und "Migros" ++++  Kühn Gleissystem lieferbar +++++ SBB Güterwagen Gbs in zwei Varianten von Modist lieferbar ++++++  Lorenz:  Wascosa-Kesselwagen (ÖMV- Sondermodell) herstellerseitig noch lieferbar. ++++++  Weitere Neuigkeiten unter "CH-News" ++++++

    

     TTSpur der MiTTe (12 mm, 1:120)               

 

             

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Geschichte von TT

Wenig bekannt und in der Schweiz wenig verbreitet ist die Spurweite TT (von englisch „Table-Top“) mit einem Massstab von 1:120 und einer Spurweite von 12 mm. Sie wird auch, weil zwischen H0 und N liegend, als „Spur der MiTTe“ bezeichnet. Viele Schweizer Modellbahner kennen die Spurweite 12 mm allerdings als Gleis für die Rhätische Meterspur im Massstab 1:87 (Spur H0m). 

In der schon oft tot geglaubten Spurweite TT hat sich in den letzten Jahrer und der jüngsten Vergangenheit auch aus Schweizer Sicht einiges getan. Dazu  mehr auch unter Schweizer Modelle in TT.  Zunächst aber wollen wir Sie auf einen Streifzug durch die TT-Geschichte mitnehmen, welche bislang reich an Höhen und Tiefen war.

 

TT - 60 Jahre Höhen und Tiefen

Mitte der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde in den USA die damals kleinste Modellbahn- Baugrösse (1:120) entwickelt und TT ("Table Top") genannt, weil sie so wenig Platz braucht, dass sie auf einen Tisch passt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden TT-Modellbahnen in Deutschland von ROKAL populär gemacht. Auch in der Schweiz gab es mit der WESA- Bahn (13 mm Spurweite) einen Hersteller der eine ähnliche Spurweite vertrat. Aber WESA wie ROKAL in Deutschland hatten keinen dauerhaften Erfolg. 1968 noch lagen in Deutschland ROKAL - Packungen in den meisten Spielzeug- Geschäften und unter vielen Weihnachtsbäumen.  ROKAL brachte in jenen Jahren sogar eine Ae 6/6 heraus.

Katalogseite aus dem ROKAL- Katalog  (1968)

 

Faszination Gotthardlok - bereits Mitte der 1960er Jahre gab es die Ae 6/6 in TT von ROKAL als Kantonslok mit Chromschnauz (Verpackungskarton der ROKAL  Ae 6/6)

 

Niedergang von ROKAL

ROKAL stelle Mitte der 1960er Jahre zwar einige sehr schöne Modelle her, aber die Zeit arbeitete bereits gegen ROKAL. Problematisch von Anfang an war der zu geringe Marktanteil. Zum einen kamen in den 1960er-Jahren Autorennbahnen auf.  Als dann aber die Spurweite N das Licht der Modellbahnwelt erblickte und diese, nicht zuletzt aufgrund der im Vergleich zu ROKAL deutlich besseren Vorbildtreue immer mehr Marktanteile von ROKAL abnahmen, sank der Stern von ROKAL. Die Wirtschaftskrise von 1967 tat ihr Übriges. ROKAL war zu jener Zeit an vielen Fronten im Hintertreffen, ob nun bei Detaillierung und Vorbildtreue, Endkundenpreisen oder Marktdurchdringung.



ROKAL-Katalog von 1969
Dazu kamen noch hausgemachte Fehler in der Modellpolitik.  Einer der Fehler war, dass die ROKAL- Modelle wie die Ae 6/6 zumindest in der Höhe und Breite nicht dem TT- Massstab 1:120 entsprachen, denn der ROKAL- Standardmotor war schlicht zu gross, so dass die Lok darum herum konstruiert werden musste.

 Oder dass bei vielen Modellen die Pufferbohlen in den Kurven ausschwenkten oder an der Seitenwand Befestigungsschrauben sichtbar waren - solche und andere augenfällige Kompromisse wurden in den ausgehenden 1960er Jahren, als es bei H0 bereits in Richtung Superdetaillierung ging, zunehmend weniger akzeptiert. Hinzu kamen höhere Verkaufspreise aufgrund der im Vergleich zu den H0- Platzhirschen kleineren Stückzahlen.

 

Die TT- Produktion war ein kleiner Nebenzweig des traditionsreichen Armaturen- und Vergaserfabrikanten ROKAL. Als kurz nach dem Tod des Firmengründers das Kerngeschäft der Vergaser- und Armaturenproduktion Ende der 1960er Jahre in wirtschaftliche Probleme geriet, wurde das Werk an einen französischen Hersteller verkauft und die Modellbahn- Produktion eingestellt.

 

Der aufstrebende schwäbische Modellbahn- Hersteller RÖWA aus Unterensingen am Neckar kaufte alle Formen, wobei der Kauf mittels einer Kapitalbeteiligung an RÖWA bewerkstelligt wurde. RÖWA versuchte in der Folge unter der Ägide des genialen und 2011 verstorbenen Konstrukteurs Willy Ade die Spurweite TT wieder zu etablieren und begann neue, zeitgemässe Modelle zu entwickeln. Ein zweiachsiger Containertragwagen schaffte es sogar bis zur Serienproduktion.

Ebenfalls entwickelt wurden Dieselloks der Baureihen V100 und eine V160, welche es aber beide nicht mehr bis zur Serienreife schafften. Denn als ROKAL Anfang der 1970er Jahre in Konkurs ging, kam es bedingt durch die Kapitalverflechtung zum Anschlusskonkurs bei RÖWA.  Die Formen aus der Konkursmasse von RÖWA wanderten zu Roco,  wo sie anscheinend sehr schnell in der Schrottpresse landeten. Da es keinen Zweithersteller gab, stand TT im Westen Deutschlands vor dem Aus.

 

 

Allerdings landete nicht alles im Schrott. Und damit sind auch die damals kursierenden Verschwörungstheorien widerlegt, dass in einer konzertierten Aktion die Formen von einer "H0-Verschwörergruppe" vernichtet wurden, damit TT ein für alle Mal erledigt ist. Bei Lichte betrachtet, war eben vieles aus dem ROKAL- Programm bereits Anfang der 1970er Jahre nicht mehr auf der Höhe der Zeit und nur noch bedingt konkurrenzfähig.

 

 

RÖWA TT-Neuheitenblatt von 1972 - die Ankündigungen liessen die Hoffnung aufkommen, dass RÖWA nach Übernahme des zugegebnermassen etwas angestaubten Rokal-Programmes zeitgemässe Modelle auf den Markt bringt .

 

 

 Der bereits von RÖWA unter der Ägide von Willy Ade fertig gestellte und im Handel in mehreren Varianten erhältliche TT-Containertragwagen war, wie auch andere RÖWA- (H0)-Modelle seiner Zeit deutlich voraus. Der Containerwagen hat die Jahre überdauert und erschien leicht modifiziert wieder bei Roco's TT-Einstieg 1998 und ist heute noch im Roco- Programm. Womit bewiesen ist, dass man bei Roco nicht leichtfertig Formen wegschmeisst.

Der Aufstieg von Roco in H0 ist übrigens zu einem guten Teil der Konkursmasse von RÖWA geschuldet, aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

WESA

Die Betrachtung der Spurweite TT wäre aus Schweizer Sicht mehr als unvollständig ohne auf die traditionsreiche Firma WESA AG einzugehen.

Sie wurde 1945 in Inkwil im schweizerischen Oberaargau (Kanton Bern) gegründet und stellte Modelleisenbahnen mit 13 mm Spurweite her, was in etwa dem TT- Masssstab entsprach. Die ersten Loks und Wagen hatten einen Masssstab von ca. 1:110 und wurden mit Wechselstrom betrieben. Ab 1950 erfolgte dann die Umstellung auf einen  Massstab von 1:100. Bemerkenswert war für die damalige Zeit, dass die WESA-Bahn bereits 1949 anscheinend in über 70 Länder exportiert wurde.

  

Historische Werbung für die WESA-Bahn - Star jener Jahre war beim Vorbild und im Modell unzweifelhaft die Ae 6/6

 

In erster Linie wurden von WESA Modelle nach Schweizer Vorbildern gebaut. Allerdings gab es auch Modelle mit ausländischem Vorbild. Unbestrittenes "Highlight" im Programm war eine mehrteilige amerikanische Diesellok mit Domeliner-Wagen. Auch Modelle nach französischem und deutschem Vorbild fanden sich im WESA-Sortiment. Die Firma WESA stellte 1966 die Produktion ein. Der Grund war auch hier (wie bei Rokal) die damals aufkommende Spurweite N.

Von einem  Kreis von Enthusiasten wird auch heute noch die WESA-Bahn gepflegt und es werden mit den alten Formen Modelle und Teile weiter produziert. Eine echte Weiterentwicklung findet neben einer gewissen Produktpflege allerdings nicht mehr statt.

Die Firma WESA selbst ist übrigens nach wie vor sehr lebendig. Sie hat sich aber nach dem Ausstieg aus der WESA-Bahn erfolgreich anderen Geschäftsfeldern zugewendet, und ist heute im Bereich des Kunststoffspritzgusses tätig.

 

 

Hinter dem Eisernen Vorhang

Werfen wir nun einen Blick hinter den Eisernen Vorhang, denn hier liegen die eigentlichen Wurzeln dafür, dass TT seit einiger Zeit wieder im Kommen ist. Denn es gab es noch die Fa. Zeuke in der damaligen DDR, welche ebenfalls ein grosses TT-Sortiment anbot. Zeuke begann Ende der 1950er- Jahre mit der TT-Produktion, baute diese rasch aus und erreichte einen für die damalige Zeit sehr hohen Stand. Dieser muss umso höher bewertet werden, da Zeuke sich noch zusätzlich mit all den Widrigkeiten und Bevormundungen  der Planwirtschaft herumschlagen musste.  

 



 
Auch nach der Verstaatlichung 1972 zehrte der Volkseigene Betrieb - Berliner TT-Bahnen (VEB BTTB) von der Substanz die Zeuke während 15 Jahren aufbaute.
Zeuke wurde 1972 verstaatlicht und es wurde daraus der VEB BTTB (Volks Eigener Betrieb Berliner TT -Bahnen). Dieser war mit zeitweise 800 Mitarbeitern der grösste Modellbahnhersteller des Ostblocks. Er belieferte die DDR und die anderen Länder des damaligen Ostblocks. In der DDR eroberte sich in der Folge die Spurweite TT einen Marktanteil von ca. 40%  und auch in anderen osteuropäischen Ländern ist daher TT nach wie vor stark verankert. Bis zur Deutschen Wiedervereinigung 1989 waren TT- (Start-) Packungen im westdeutschen Versandhandel zu finden, so auch beim mittlerweile untergegangenen Versandhaus Quelle.

                                                                                                                                                                                            

In all den Jahren nach dem Konkurs von ROKAL bzw. von Röwa fristete TT im Westen Deutschlands ein eher kümmerliches Dasein. Die kleine TT-Gemeinde im Westen organisierte sich in schwieriger Zeit im Arbeitskreis TT. Der AKTT hielt das Fähnlein mehr schlecht als recht aufrecht. Es fehlte an vielem, vor allem an den Standardbaureihen der damaligen Deutschen Bundesbahn.

  

Wiedervereinigung 1989 - Jahre der Umbruchs und des Neubeginns

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 und dem weitgehenden wirtschaftlichen Zusammenbruch vieler Firmen im Osten Deutschlands wurde alles anders.

In der ehemaligen DDR war TT etabliert und siehe da, es geschah eines der wenigen Wirtschaftswunder der Wende: die privatisierte BTTB schaffte den Sprung in die Marktwirtschaft zwar zunächst nicht, denn die bisherige Kundschaft in der ehemaligen DDR hatte in der Nachwendezeit andere Sorgen als die Modellbahn. Zu jener Zeit wandten sich auch viele TT-Bahner den in fast allen Belangen besseren Westprodukten zu, welche fortan den Markt überschwemmten. 

Doch es ging weiter in schwieriger Zeit. Der sächsische Gleishersteller Tillig war damals als Zulieferer der untergehenden BTTB tätig und konnte diese nach ihrem Konkurs übernehmen. Der Betrieb übersiedelte nach Sebnitz in Sachsen und man wagte von dort ab 1993 einen Neuanfang.

Die Aufgabe war gewaltig. Zu DDR- Zeiten lebte man vorwiegend von der alten Zeuke- Substanz und brachte kaum neue Modelle heraus. Die Produktionsanlagen waren verschlissen und keinesfalls auf „Weltniveau“. Die Produktpalette war bis auf wenige Ausnahmen auf die DDR-Reichsbahn ausgerichtet.  Eine denkbar schwierige Ausgangsposition.

 

Nach und nach wurden die Formen und die Modelle nach DDR-Vorbild für die immer noch mehrheitlich im Osten Deutschlands und in Osteuropa ansässigen Kundschaft modernisiert.  Die "Nachwendeproduktion" machte grosse Qualitätsfortschritte, erkennbar beispielsweise an den Bedruckungen, welche aufgrund moderner Technik und Maschinen nicht mehr mit dem früheren "DDR-Standard" vergleichbar waren.

Nur langsam kamen die ersten Neukonstruktionen von den lange ersehnten DB-Baureihen auf den Markt. Aber selbst nach der Jahrtausendwende war TT immer noch „DDR- lastig“. Doch dann kam auch in TT die „Wende“.

  

  Werbung für TT-Umsteiger von Tillig

 

Wir schreiben das Jahr 2006.....

 

 

 ICE 3 von PIKO in TT

.... und in diesem Jahr gelingt der Spur TT offenbar der lang erwartete Durchbruch. Zumindest, wenn es darum geht, für die allseits beliebten Epochen III - V der DB ein mit anderen Spurweiten konkurrenzfähiges Angebot zu schaffen. Gleich zwei Grossserienhersteller, nämlich PIKO und der auch in der Schweiz bekannte Decoderhersteller Kühn steigen in jenem Jahr (PIKO streng genommen schon Ende 2005) in TT ein  und bringen lange und händeringend erwartete Modelle wie die deutschen Baureihen 110.3 (Bügelfalte), 140 und 182 (Taurus) auf den Markt. Kurz danach folgten innert kurzer Frist der Siemens Eurorunner (ER20 - Hercules) und der deutsche ICE 3.

Die herkunftsbedingte Dominanz der im Westen wenig beliebten DDR-Reichsbahnmodelle in den Epochen III und IV geht in TT zu Ende.

Roco, seit 1998 eher halbherzig in TT engagiert, bekennt sich aufgrund ermutigender Absatzzahlen wieder zu TT und bringt seit 2008 neue Modelle heraus und auch der slowenische Hersteller Mehano sprang zwischenzeitlich auf den TT-Zug auf. Allerdings hat dieser namhafte Hersteller Ende 2008 eine (kontrollierte) Insolvenz hingelegt.  Ob dieser sich wieder berappelt ist nach wie vor unklar.

Selbst Arnold (heute Hornby) hat seine Kleinlok Köf, welche noch in den 1990ern vor dem Arnold- Konkurs entwickelt wurde und danach lange Zeit in der Versenkung verschwunden war, fertig gestellt und bringt eine Farbvariante nach der anderen.

Durch den Markteintritt mehrerer Grossserienhersteller hat das auch durch die DDR-Vergangenheit bislang teilweise eher mässige Qualitäts- und Detaillierungsniveau in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt und ist bei den Neukonstruktionen der diversen Hersteller auf H0-Niveau.

Und es gibt in dem vergleichsweise kleinen TT- Markt auch schon die ersten spektakulären Doppelentwicklungen wie beim ER20 (Hercules), den deutschen Silberlingen, der Baureihe 110 (Bügelfalte) und der Kultlok der Baureihe 103.

Für die Hersteller sind solche Doppelentwicklungen eher ärgerlich, verschieben sie doch den Zeitpunkt, wann sich die extrem teuren Investitionen in Entwicklung, Formen und Herstellvorrichtungen (z.B. Lackierschablonen) amortisieren, weit in die Zukunft. Positiv ist allenfalls, dass diese Doppelentwicklungen, wer auch immer sie im Einzelnen angezettelt hat, zusätzliche Aufmerksamkeit der Fachwelt auf TT gelenkt hat.

 

Vor 2006 waren Neuheiten in der Spurweite TT insgesamt spärlich, auch wenn sich Tillig in all den Jahren nach Kräften und letztendlich erfolgreich bemühte die Spurweite zu erhalten und voran zu bringen. Seit 2006 brennen die verschiedenen Hersteller ein noch nie da gewesenes Neuheitenfeuerwerk ab. Mit der Folge, dass die "DB-Klassiker" bis auf wenige Ausnahmen in TT mittlerweile komplett sind. Die seit Jahrzehnten gängige Ausrede, es gäbe nicht genug Angebot in TT hat sich nun wirklich überholt.  Eine Auswahl auf einen Blick, was die moderne Bahn mittlerweile in TT zu bieten hat, findet sich hier.

  

Die Kultlok der Baureihe 103 gibt es mittlerweile von Kühn und von Tillig als Doppelentwicklung

 

Wie geht es weiter ?

Der Modellbahnbranche geht es nun wirklich nicht sehr gut, wie all die spektakulären Konkurse und Übernahmen in den letzten Jahren zeigen. TT ist, was die zahlreichen Neuheiten der letzten Jahre angeht, zweifellos im Aufwind und verliert in Modellbahnerkreisen zunehmend das Stigma der "DDR-Modellbahn".

Technisch hat sich TT längst von der DDR- Vergangenheit freigeschwommen. Detaillierung und Bedruckung sind seit etlichen Jahren auf dem Stand der Technik der Branche.

Mit der 2007 erschienenen neuen TT-Standardkupplung von Tillig wird  die noch aus den 1970er Jahren stammende klobige TT-Standard-kupplung durch eine betriebssichere, optisch ansprechende und zeitgemässe Neukonstruktion ersetzt. Der noch aus DDR-Zeiten stammende Vorgänger wird damit endgültig aufs Abstellgleis geschoben. Mit der Beseitigung des Kupplungsproblems dürfte das letzte technische Manko von TT  beseitigt sein.   

 

TT- Standardkupplung  (Werkbild Tillig) mit Schnittstelle nach NEM358

 

TT etabliert sich langsam aber zunehmend als feste Grösse auch im Westen Deutschlands, da für Neu- und Wiedereinsteiger  (endlich will man sagen)  genügend Angebot vorhanden ist.  Dabei wird es aber nicht bleiben.

 Kühn expandiert und erweitert seine Modellpalette sukzessive und in einem beeindruckenden Tempo. Der 2010er- Prospekt (oder will man schon Katalog sagen) umfasst respektable 24 Seiten und der  2011er - Katalog umfasst bereits 36 Seiten.

Und als kleine Sensation bietet Kühn ab Ende 2011 auch ein eigenes Gleissystem an. Damit hat TT neben dem Marktführer Tillig nun einen zweiten "Vollsortimenter".  Man darf gespannt sein, wie Kühn sich zukünftig im Bereich Startpackungen positioniert. Denkbar sind auch hier Kooperationen mit anderen Herstellern. Anknüpfungspunkte gibt es genug - beispielsweise liefert Kühn seine Decoder an Roco. Und PIKO lieferte seine Loks auch schon für Tillig- Startpackungen.

PIKO expandiert ebenfalls in TT. Auch wenn dort TT nicht der Programmschwerpunkt ist, so bringen die Sonneberger neben zahlreichen Farbvarianten in stetiger Regelmässigkeit immerhin mindestens eine Formneuheit pro Jahr heraus. Auch 2011 bleibt man in Sonneberg/ Thüringen dieser Linie treu und bringt als Formneuheit und für die Fans der modernen Bahn die Diesellok der Reihe G1206 (siehe Titelbild rechts), die bei vielen Privatbahnen ihren Dienst verrichtet und im Modell sicher die jüngere Generation anspricht.  Und auf Roco kommen wir gleich noch zu sprechen.

 

Seit 2008 erhältlich - eine Zeitschrift  für den TT-Bahner -     TT-Total erscheint 3 x jährlich

 

 

Mittlerweile hat sich der Markt in TT wie folgt sortiert:

  • die "vier Grossen" angeführt von Markführer Tillig, sowie Roco, Kühn und Piko die sich auch zunehmend mit Doppelentwicklungen das Leben gegenseitig schwer machen.

  • daneben gibt es weitere Hersteller wie Kres (Spezialist für Triebwagen) Beckmann aus Berlin  (als Spezialist für Eloks und Dampfloks), Dampflokspezialist Gützold der sein TT-Angebot weiter ausweitet und Lorenz (Angekündigt RhB in TTm), die  sich abseits des Gerangels der "Grossen" ihre Nischen suchen. Hersteller wie Lorenz pflegen noch das Understatement der "Kleinserie",  aber bei neueren Modellen ist Lorenz dem Kleinserienstadium hinsichtlich Stückzahlen und Qualität entwachsen. Beckmann, Gützold  und Kres sind ohnehin über jeden Zweifel an ihrer Qualität erhaben.

  • viele Kleinserienhersteller oder Spezialisten

  • nicht unerwähnt bleiben sollen Ausflüge von weiteren renommierten Herstellern mit Einzelexponaten:

    • Arnold (heute Hornby) mit seiner Kleinlok Köf, hier will man aufgrund des Verkaufserfolges offenbar mit weiteren Modellen ab 2012 "nachlegen"

    • Fleischmann (Drehscheibe, welche im Zuge des Zusammenschlusses zu Roco gewandert ist, da dort das TT-Programm konzentriert wurde),

    • Brawa (Oldtimer-E-Lok-Exot E95 - bislang ohne weitere Folgen) und angekündigt für 2012 die

    •  Sächsische Waggonfabrik mit der Voith "Maxima".

    • LS-Models aus Belgien debüttierte 2010 in TT mit einem russischen Schlafwagen (WLABmee), welcher lange Zeit beim grossen Vorbild auch ab Basel eingesetzt wurde. Dieser Wagen setzte durch seine überragende Detaillierung Massstäbe. Ab 2012 will man groß im Wagensektor in TT einsteigen - wir werden sehen.

 

Aber kaum geht es nach oben, gibt es neue Probleme. Das Neuheitenfeuerwerk der letzten Jahre ist nicht ohne Spuren geblieben. Der Markt wächst nicht so schnell wie das Angebot wächst. Der TT- Bahner ist wählerischer geworden, denn es gibt mittlerweile Auswahl in Hülle und Fülle. Und schon ist auch das eine oder andere bereits in bunten Prospekten angekündigte Projekt mangels ausreichender Resonanz oder ungenügender Vorbestellzahlen kassiert oder auf die lange Bank geschoben worden.

Und dass angekündigte Produkte lange auf sich warten lassen, zeigt, dass bei den Herstellern die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

 

Durch die mittlerweile am Markt agierenden Grossserien- Hersteller müssen sich die "Kleinen", die viele Jahre mit dazu beitrugen die Spurweite am Leben zu  erhalten, neu orientieren und sich noch verbleibende, freie Nischen suchen. Denn klar ist, dass sich die "Grossen" die "Butter und Brot"- Modelle schnappen um den Umsatz und die Stückzahlen zu generieren, die es für die teuren Investitionen in Entwicklung und Formen braucht.

 

Erster "Schweiztauglicher" Grossserien- LKW  der Spedition Bertschi in TT (Werkbild Herpa) - erhältlich seit Ende 2010

Wo es derzeit in TT noch klemmt sind Fahrzeugmodelle. Immerhin ist zwischen-zeitlich mit Herpa ein namhafter Hersteller auf den Zug aufgesprungen und bringt LKW-Modelle in der bewährten Herpa- Qualität heraus.  Und - besonders erfreulich - Herpa bietet nun auch die ersten "Schweiztauglichen" LKW der Speditionen Hangartner und Bertschi in Grossserie  an.  Auch den ursprünglich von Roco entwickelten VW-Transporter T4 gibt es dort in TT (wieder). Aber noch echte Lücken klaffen bei den (West-) PKW- Modellen. 

 

 

Auch beim Zubehör geht es langsam voran. Mit Auhagen gibt es einen renommierten, langjährigen "Vollsortimenter" in diesem Bereich.  Auch andere Hersteller wie Busch oder Noch weiten ihr TT- Programm aus. Dank Lasercut-Technologie sind nun auch kleinere Serien rentabel herstellbar und dank CAD können einmal erstellte Zeichnungen und Unterlagen mit überschaubarem Modifikationsaufwand auch in anderen Spurweiten verwendet werden. Und dank Lasertechnik  bereichern auch kleinere Firmen die Zubehörszene in TT.  Zu nennen sind hier FirstLaserCut, mobaArt und TOPPMODELL.

 

Nur kurz dagegen war das Gastspiel von Faller in TT. Dort ist man kurz vor dem Konkurs wieder aus TT ausgestiegen. Anscheinend hatte man zu jener Zeit nicht mehr den Atem für TT. Auch bestand das "TT-Sortiment" von Faller ausschliesslich aus recycelten alten, zu klein geratenen H0 Modellen der 1960er Jahre.

Es ist nun einmal Tatsache, dass im Zubehörsektor kleinere Brötchen gebacken werden (müssen), denn - Hand aufs Herz - den grössten Teil der Modellbahnbudgets räumen nun einmal die Hersteller des Rollmaterials ab...

 

Was macht Roco ?

Roco ist zwar seit 1998 in TT aktiv, aber dieses Engagement war bis etwa 2008 eher halbherzig.  Zwischenzeitlich aber haben die Salzburger anscheinend gemerkt, welch Potential in TT steckt. Der Roco-Schiebewandwagen in TT hat sich in den vergangenen Jahren in all den Varianten anscheinend so gut verkauft, dass mittlerweile die Form "fertig" war und überarbeitet werden musste.

Jahrelang hat man nur Lack- und Dekovarianten der vorhandenen Modelle herausgebracht, aber in jüngster Zeit bringt Roco in immer schnellerer Folge neue TT-Modelle heraus. So die imposante, schwere Dampflok der Baureihe 44 oder völlig überraschend im Sommer 2009 die Diesellok der Baureihe 120 ("Taigatrommel"). Im Herbst 2009 dann die Schnellzugdampflok 18201. Und wenn man sich die Deko- und Lackierungsvarianten der 2009 neu erschienenen Taigatrommel ansieht, dann wird klar, dass Roco auch auf das in den ehemaligen Commecon-Ländern vorhandene Marktpotential schielt. 

Die auch heute noch auf DB Geleisen verkehrende schwere russische Diesellok "Ludmilla" im Katalog von Roco (1999) - sie war seinerzeit zusammen mit Roco's Einstieg in TT eine echte Sensation. 

 

Diese Strategie bestätigt auch die im Herbst 2010 angekündigte tschechische "Taucherbrille", die in ihrem Heimatland ähnlichen Kultstatus besitzt wie eine Ce 6/8 (Krokodil) in der Schweiz oder die 103 in Deutschland.  Auch mit der "Taucherbrille" schielt man bei Roco nach Osten.

 

Glaubt man den Verlautbarungen der Roco- Manager, dann haben die Österreicher noch einiges in TT vor. So sind nach deren Aussagen etliche Projekte in TT  in der Pipeline. Und auch 2011 macht man mit der eingeschlagenen hohen Schlagzahl weiter. Neben den branchenüblichen Farb- und Formvarianten kommt nun mit der Dampflok P8 (Baureihe 38) ein in Ost und West gleichermassen weit verbreitetes "Butter- und Brotmodell". Und seit Ende 2011 ist mit der Baureihe 58 der nächste Dampfer angekündigt.....

 

Für die Schweiz ist uns (noch) nichts bekannt, aber dass Roco den lukrativen Schweizer Markt dauerhaft links liegen lässt, glauben wir nicht.  Im Gegensatz zu den preissensiblen Märkten in Ostdeutschland und in Osteuropa ist man in der Schweiz mehr als anderswo bereit für exzellente (Handarbeits-) Ware diese auch finanziell angemessen zu honorieren.

Spekuliert werden darf in diesem Zusammenhang aber schon mal was als nächstes von Roco kommt: der Verfasser tippt nach wie vor auf die E94 / DB194 / DR254 / ÖBB1020............

 

Während in den benachbarten Spurweiten Sättigung, Stagnation und auch Rückgang herrschen, traut man TT am ehesten Wachstum zu. Nicht zuletzt deswegen, weil in TT der Markt nicht wie in anderen Spurweiten durch ein riesiges Occasions- Angebot hoffnungslos verstopft ist.

 

Chancen in der Schweiz ?

Volle Händlerregale und Sammler-Vitrinen, dazu ein überbordendes Occasions- Angebot in den etablierten Spurweiten zeugen von einer Sättigung die Herstellern und Fachhandel gleichermassen zu schaffen macht.

 

Und es ist kein Geheimnis: den Herstellern gehen die Vorbilder aus  !

 

Alle gängigen Schweizer Baureihen sind speziell in H0 von den Herstellern längst in allen Epochen, Farb- und Formvarianten durchdekliniert und es fällt den Herstellern zunehmend schwerer eine noch freie und rentable Nische zu finden. Ausserdem sind viele Baureihen von mehreren Herstellern gleichzeitig  "besetzt".

Und selbst eine renommierte Firma wie HAG muss sich bei Neuentwicklungen in eine relative Nische wie den GTW 2/6 begeben und erhält selbst dort noch von einem Massen-hersteller wie Piko Konkurrenz.

 

Wohl sortiert aber brechend voll - der Schweizer Modellbahn- Occasions- Markt in H0 und N - wie hier bei der Modellbahnausstellung in Appenzell (Bild: AMMC)

 

Nicht jeder Modellbahner nennt einen passenden Raum, einen grossen Keller, einen Lagerraum oder ähnliches sein Eigen um eine H0- Anlage aufzubauen - hier tut man sich mit TT deutlich leichter.

Und in der heutigen, schnelllebigen Zeit ist es oft auch erforderlich beruflich mobil zu sein. Da ist eine riesige Modellbahnanlage eher hinderlich.

Mit TT kann man auch auf einer klassischen Platte (ca. 2,20 m x 1,20 m) ordentlich was darstellen, diese kann man notfalls an die Wand stellen und sich nach dem "zügeln" dem Hobby wieder zuwenden (siehe auch Platzbedarf im Vergleich zu anderen Spurweiten). Allerdings ist das Beharrungsvermögen des Marktes aufgrund der riesigen Altbestände - wie oben geschildert - nicht zu unterschätzen.

 

 

Startpackungen sind der Schlüssel

Wie sagte ein Märklin-Manager einmal (in einer der wenigen hellen Stunden in den Jahren vor dem Konkurs): "Wer die erste Schiene ins Kinderzimmer wirft hat gewonnen" - stimmt. Aber oft genug sind dies Pyrrhussiege. Da drückt man mit aller Gewalt (heutzutage auch über die Discounter) Startpackungen in den Markt, die dann von ahnungslosen Familienvätern gekauft werden, meist zur Weihnachtszeit kurz bespielt werden und dann im Schrank verschwinden. Meist für immer, da zu oft die Erkenntnis dämmert, dass für die (H0)- Eisenbahn doch kein Platz vorhanden ist und dann ohnehin der Computer das Geschehen im Kinderzimmer bestimmt.

 

Die letzten Zeilen tragen autobiographische Züge, denn so ähnlich erging es auch dem Autor. Als Wiedereinsteiger wollte er seinen Kindern (und sich...) zu Weihnachten eine Freude machen. H0-Restbestände waren noch vorhanden und so war die Spurwahl klar.  Doch schon unter dem Weihnachtsbaum dämmerte es dem Autor, dass das so nichts wird mit der Modellbahn und es wurde (eisenbahntechnisch gesprochen) die Notbremse gezogen. 

Der Rest ist schnell erzählt: dank Internet musste das H0-Material den Gang zu EBAY antreten und war schnell unter die Leute gebracht. Statt dessen wurde in TT durchgestartet. Bereut habe(n) ich (wir) es keine Minute.

 

Dank dem Internet bin ich auf die echte Alternative TT gestossen, speziell die seinerzeitigen Neueinstiege zweier Hersteller (Kühn und Piko) gaben den Ausschlag umzusatteln.  Und hier schliesst sich der Kreis.

 

Jahrzehntelange "Gehirnwäsche" hat es geschafft, dass Modellbahn gleich Märklin-H0  ist (manchmal werden noch Fleischmann, Roco und Piko und in der Schweiz selbstverständlich HAG genannt).  Was aber erstere nicht vor der Insolvenz bewahrte.

Und darum ist diese Seite so wichtig - wir wollen Informationen bereitstellen für jene, die nach brauchbaren Alternativen zum Mainstream suchen. Kaum ein Hobby ist so vielseitig und lehrreich wie die Modelleisenbahn in ihren zahlreichen Facetten.

 

Ganz unbekannt ist TT in der Schweiz freilich nicht. Als H0m finden zumindest die 12 mm- Gleise seit vielen Jahren für die Schmalspurfans der RhB und der anderen Schweizer Meterspurbahnen Verwendung. Und als H0-Gleishersteller hat Tillig auch einen hervorragenden Namen in der Schweiz.

 

TT ist, was das Angebot für die Schweiz angeht, heute dort wo die Spurweite N in den 1970er Jahren war.

 

Was das Bahnland Schweiz angeht, so werden wir weiterhin unseren Teil dazu beitragen, dass es auch in der Schweiz mit TT aufwärts geht.

 

 

 

(Einige Textpassagen zur TT-Geschichte im ersten Teil auf dieser Seite stammen von Michael Houben und dessen sehenswerter TT-Webseite).  Dort  findet sich auch eine umfangreiche Zusammenstellung über moderne DB- Modelle.

 

 

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04.01.2012       Disclaimer