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Geschichte von TT Wenig bekannt und in der Schweiz wenig verbreitet ist die Spurweite TT (von englisch „Table-Top“) mit einem Massstab von 1:120 und einer Spurweite von 12 mm. Sie wird auch, weil zwischen H0 und N liegend, als „Spur der MiTTe“ bezeichnet. Viele Schweizer Modellbahner kennen die Spurweite 12 mm allerdings als Gleis für die Rhätische Meterspur im Massstab 1:87 (Spur H0m). In der schon oft tot geglaubten Spurweite TT hat sich in den letzten Jahrer und der jüngsten Vergangenheit auch aus Schweizer Sicht einiges getan. Dazu mehr auch unter Schweizer Modelle in TT. Zunächst aber wollen wir Sie auf einen Streifzug durch die TT-Geschichte mitnehmen, welche bislang reich an Höhen und Tiefen war.
TT - 60 Jahre Höhen und Tiefen Mitte der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde in den USA die damals kleinste Modellbahn- Baugrösse (1:120) entwickelt und TT ("Table Top") genannt, weil sie so wenig Platz braucht, dass sie auf einen Tisch passt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden TT-Modellbahnen in Deutschland von ROKAL populär gemacht. Auch in der Schweiz gab es mit der WESA- Bahn (13 mm Spurweite) einen Hersteller der eine ähnliche Spurweite vertrat. Aber WESA wie ROKAL in Deutschland hatten keinen dauerhaften Erfolg. 1968 noch lagen in Deutschland ROKAL - Packungen in den meisten Spielzeug- Geschäften und unter vielen Weihnachtsbäumen. ROKAL brachte in jenen Jahren sogar eine Ae 6/6 heraus.
Katalogseite aus dem ROKAL- Katalog (1968)
Faszination Gotthardlok - bereits Mitte der 1960er Jahre gab es die Ae 6/6 in TT von ROKAL als Kantonslok mit Chromschnauz (Verpackungskarton der ROKAL Ae 6/6)
Niedergang von ROKAL ROKAL stelle Mitte der 1960er Jahre zwar einige sehr schöne Modelle her, aber die Zeit arbeitete bereits gegen ROKAL. Problematisch von Anfang an war der zu geringe Marktanteil. Zum einen kamen in den 1960er-Jahren Autorennbahnen auf. Als dann aber die Spurweite N das Licht der Modellbahnwelt erblickte und diese, nicht zuletzt aufgrund der im Vergleich zu ROKAL deutlich besseren Vorbildtreue immer mehr Marktanteile von ROKAL abnahmen, sank der Stern von ROKAL. Die Wirtschaftskrise von 1967 tat ihr Übriges. ROKAL war zu jener Zeit an vielen Fronten im Hintertreffen, ob nun bei Detaillierung und Vorbildtreue, Endkundenpreisen oder Marktdurchdringung.
Die TT- Produktion war ein kleiner Nebenzweig des traditionsreichen Armaturen- und Vergaserfabrikanten ROKAL. Als kurz nach dem Tod des Firmengründers das Kerngeschäft der Vergaser- und Armaturenproduktion Ende der 1960er Jahre in wirtschaftliche Probleme geriet, wurde das Werk an einen französischen Hersteller verkauft und die Modellbahn- Produktion eingestellt.
Der aufstrebende schwäbische Modellbahn- Hersteller RÖWA aus Unterensingen am Neckar kaufte alle Formen, wobei der Kauf mittels einer Kapitalbeteiligung an RÖWA bewerkstelligt wurde. RÖWA versuchte in der Folge unter der Ägide des genialen und 2011 verstorbenen Konstrukteurs Willy Ade die Spurweite TT wieder zu etablieren und begann neue, zeitgemässe Modelle zu entwickeln. Ein zweiachsiger Containertragwagen schaffte es sogar bis zur Serienproduktion. Ebenfalls entwickelt wurden Dieselloks der Baureihen V100 und eine V160, welche es aber beide nicht mehr bis zur Serienreife schafften. Denn als ROKAL Anfang der 1970er Jahre in Konkurs ging, kam es bedingt durch die Kapitalverflechtung zum Anschlusskonkurs bei RÖWA. Die Formen aus der Konkursmasse von RÖWA wanderten zu Roco, wo sie anscheinend sehr schnell in der Schrottpresse landeten. Da es keinen Zweithersteller gab, stand TT im Westen Deutschlands vor dem Aus.
Allerdings landete nicht alles im Schrott. Und damit sind auch die damals kursierenden Verschwörungstheorien widerlegt, dass in einer konzertierten Aktion die Formen von einer "H0-Verschwörergruppe" vernichtet wurden, damit TT ein für alle Mal erledigt ist. Bei Lichte betrachtet, war eben vieles aus dem ROKAL- Programm bereits Anfang der 1970er Jahre nicht mehr auf der Höhe der Zeit und nur noch bedingt konkurrenzfähig.
RÖWA TT-Neuheitenblatt von 1972 - die Ankündigungen liessen die Hoffnung aufkommen, dass RÖWA nach Übernahme des zugegebnermassen etwas angestaubten Rokal-Programmes zeitgemässe Modelle auf den Markt bringt .
Der bereits von RÖWA unter der Ägide von Willy Ade fertig gestellte und im Handel in mehreren Varianten erhältliche TT-Containertragwagen war, wie auch andere RÖWA- (H0)-Modelle seiner Zeit deutlich voraus. Der Containerwagen hat die Jahre überdauert und erschien leicht modifiziert wieder bei Roco's TT-Einstieg 1998 und ist heute noch im Roco- Programm. Womit bewiesen ist, dass man bei Roco nicht leichtfertig Formen wegschmeisst. Der Aufstieg von Roco in H0 ist übrigens zu einem guten Teil der Konkursmasse von RÖWA geschuldet, aber das ist eine andere Geschichte.
WESA
In erster Linie wurden von WESA Modelle nach Schweizer Vorbildern gebaut. Allerdings gab es auch Modelle mit ausländischem Vorbild. Unbestrittenes "Highlight" im Programm war eine mehrteilige amerikanische Diesellok mit Domeliner-Wagen. Auch Modelle nach französischem und deutschem Vorbild fanden sich im WESA-Sortiment. Die Firma WESA stellte 1966 die Produktion ein. Der Grund war auch hier (wie bei Rokal) die damals aufkommende Spurweite N. Von einem Kreis von Enthusiasten wird auch heute noch die WESA-Bahn gepflegt und es werden mit den alten Formen Modelle und Teile weiter produziert. Eine echte Weiterentwicklung findet neben einer gewissen Produktpflege allerdings nicht mehr statt. Die Firma WESA selbst ist übrigens nach wie vor sehr lebendig. Sie hat sich aber nach dem Ausstieg aus der WESA-Bahn erfolgreich anderen Geschäftsfeldern zugewendet, und ist heute im Bereich des Kunststoffspritzgusses tätig.
Hinter dem Eisernen Vorhang Werfen wir nun einen Blick hinter den Eisernen Vorhang, denn hier liegen die eigentlichen Wurzeln dafür, dass TT seit einiger Zeit wieder im Kommen ist. Denn es gab es noch die Fa. Zeuke in der damaligen DDR, welche ebenfalls ein grosses TT-Sortiment anbot. Zeuke begann Ende der 1950er- Jahre mit der TT-Produktion, baute diese rasch aus und erreichte einen für die damalige Zeit sehr hohen Stand. Dieser muss umso höher bewertet werden, da Zeuke sich noch zusätzlich mit all den Widrigkeiten und Bevormundungen der Planwirtschaft herumschlagen musste.
In all den Jahren nach dem Konkurs von ROKAL bzw. von Röwa fristete TT im Westen Deutschlands ein eher kümmerliches Dasein. Die kleine TT-Gemeinde im Westen organisierte sich in schwieriger Zeit im Arbeitskreis TT. Der AKTT hielt das Fähnlein mehr schlecht als recht aufrecht. Es fehlte an vielem, vor allem an den Standardbaureihen der damaligen Deutschen Bundesbahn.
Wiedervereinigung 1989 - Jahre der Umbruchs und des Neubeginns
Wir schreiben das Jahr 2006.....
Wie geht es weiter ? Der Modellbahnbranche geht es nun wirklich nicht sehr gut, wie all die spektakulären Konkurse und Übernahmen in den letzten Jahren zeigen. TT ist, was die zahlreichen Neuheiten der letzten Jahre angeht, zweifellos im Aufwind und verliert in Modellbahnerkreisen zunehmend das Stigma der "DDR-Modellbahn".
Mittlerweile hat sich der Markt in TT wie folgt sortiert:
Aber kaum geht es nach oben, gibt es neue Probleme. Das Neuheitenfeuerwerk der letzten Jahre ist nicht ohne Spuren geblieben. Der Markt wächst nicht so schnell wie das Angebot wächst. Der TT- Bahner ist wählerischer geworden, denn es gibt mittlerweile Auswahl in Hülle und Fülle. Und schon ist auch das eine oder andere bereits in bunten Prospekten angekündigte Projekt mangels ausreichender Resonanz oder ungenügender Vorbestellzahlen kassiert oder auf die lange Bank geschoben worden. Und dass angekündigte Produkte lange auf sich warten lassen, zeigt, dass bei den Herstellern die Bäume nicht in den Himmel wachsen.
Durch die mittlerweile am Markt agierenden Grossserien- Hersteller müssen sich die "Kleinen", die viele Jahre mit dazu beitrugen die Spurweite am Leben zu erhalten, neu orientieren und sich noch verbleibende, freie Nischen suchen. Denn klar ist, dass sich die "Grossen" die "Butter und Brot"- Modelle schnappen um den Umsatz und die Stückzahlen zu generieren, die es für die teuren Investitionen in Entwicklung und Formen braucht.
Auch beim Zubehör geht es langsam voran. Mit Auhagen gibt es einen renommierten, langjährigen "Vollsortimenter" in diesem Bereich. Auch andere Hersteller wie Busch oder Noch weiten ihr TT- Programm aus. Dank Lasercut-Technologie sind nun auch kleinere Serien rentabel herstellbar und dank CAD können einmal erstellte Zeichnungen und Unterlagen mit überschaubarem Modifikationsaufwand auch in anderen Spurweiten verwendet werden. Und dank Lasertechnik bereichern auch kleinere Firmen die Zubehörszene in TT. Zu nennen sind hier FirstLaserCut, mobaArt und TOPPMODELL.
Nur kurz dagegen war das Gastspiel von Faller in TT. Dort ist man kurz vor dem Konkurs wieder aus TT ausgestiegen. Anscheinend hatte man zu jener Zeit nicht mehr den Atem für TT. Auch bestand das "TT-Sortiment" von Faller ausschliesslich aus recycelten alten, zu klein geratenen H0 Modellen der 1960er Jahre. Es ist nun einmal Tatsache, dass im Zubehörsektor kleinere Brötchen gebacken werden (müssen), denn - Hand aufs Herz - den grössten Teil der Modellbahnbudgets räumen nun einmal die Hersteller des Rollmaterials ab...
Was macht Roco ?
Diese Strategie bestätigt auch die im Herbst 2010 angekündigte tschechische "Taucherbrille", die in ihrem Heimatland ähnlichen Kultstatus besitzt wie eine Ce 6/8 (Krokodil) in der Schweiz oder die 103 in Deutschland. Auch mit der "Taucherbrille" schielt man bei Roco nach Osten.
Glaubt man den Verlautbarungen der Roco- Manager, dann haben die Österreicher noch einiges in TT vor. So sind nach deren Aussagen etliche Projekte in TT in der Pipeline. Und auch 2011 macht man mit der eingeschlagenen hohen Schlagzahl weiter. Neben den branchenüblichen Farb- und Formvarianten kommt nun mit der Dampflok P8 (Baureihe 38) ein in Ost und West gleichermassen weit verbreitetes "Butter- und Brotmodell". Und seit Ende 2011 ist mit der Baureihe 58 der nächste Dampfer angekündigt.....
Für die Schweiz ist uns (noch) nichts bekannt, aber dass Roco den lukrativen Schweizer Markt dauerhaft links liegen lässt, glauben wir nicht. Im Gegensatz zu den preissensiblen Märkten in Ostdeutschland und in Osteuropa ist man in der Schweiz mehr als anderswo bereit für exzellente (Handarbeits-) Ware diese auch finanziell angemessen zu honorieren. Spekuliert werden darf in diesem Zusammenhang aber schon mal was als nächstes von Roco kommt: der Verfasser tippt nach wie vor auf die E94 / DB194 / DR254 / ÖBB1020............
Während in den benachbarten Spurweiten Sättigung, Stagnation und auch Rückgang herrschen, traut man TT am ehesten Wachstum zu. Nicht zuletzt deswegen, weil in TT der Markt nicht wie in anderen Spurweiten durch ein riesiges Occasions- Angebot hoffnungslos verstopft ist.
Chancen in der Schweiz ?
Nicht jeder Modellbahner nennt einen passenden Raum, einen grossen Keller, einen Lagerraum oder ähnliches sein Eigen um eine H0- Anlage aufzubauen - hier tut man sich mit TT deutlich leichter. Und in der heutigen, schnelllebigen Zeit ist es oft auch erforderlich beruflich mobil zu sein. Da ist eine riesige Modellbahnanlage eher hinderlich. Mit TT kann man auch auf einer klassischen Platte (ca. 2,20 m x 1,20 m) ordentlich was darstellen, diese kann man notfalls an die Wand stellen und sich nach dem "zügeln" dem Hobby wieder zuwenden (siehe auch Platzbedarf im Vergleich zu anderen Spurweiten). Allerdings ist das Beharrungsvermögen des Marktes aufgrund der riesigen Altbestände - wie oben geschildert - nicht zu unterschätzen.
Startpackungen sind der Schlüssel Wie sagte ein Märklin-Manager einmal (in einer der wenigen hellen Stunden in den Jahren vor dem Konkurs): "Wer die erste Schiene ins Kinderzimmer wirft hat gewonnen" - stimmt. Aber oft genug sind dies Pyrrhussiege. Da drückt man mit aller Gewalt (heutzutage auch über die Discounter) Startpackungen in den Markt, die dann von ahnungslosen Familienvätern gekauft werden, meist zur Weihnachtszeit kurz bespielt werden und dann im Schrank verschwinden. Meist für immer, da zu oft die Erkenntnis dämmert, dass für die (H0)- Eisenbahn doch kein Platz vorhanden ist und dann ohnehin der Computer das Geschehen im Kinderzimmer bestimmt.
Die letzten Zeilen tragen autobiographische Züge, denn so ähnlich erging es auch dem Autor. Als Wiedereinsteiger wollte er seinen Kindern (und sich...) zu Weihnachten eine Freude machen. H0-Restbestände waren noch vorhanden und so war die Spurwahl klar. Doch schon unter dem Weihnachtsbaum dämmerte es dem Autor, dass das so nichts wird mit der Modellbahn und es wurde (eisenbahntechnisch gesprochen) die Notbremse gezogen. Der Rest ist schnell erzählt: dank Internet musste das H0-Material den Gang zu EBAY antreten und war schnell unter die Leute gebracht. Statt dessen wurde in TT durchgestartet. Bereut habe(n) ich (wir) es keine Minute.
Dank dem Internet bin ich auf die echte Alternative TT gestossen, speziell die seinerzeitigen Neueinstiege zweier Hersteller (Kühn und Piko) gaben den Ausschlag umzusatteln. Und hier schliesst sich der Kreis.
Jahrzehntelange "Gehirnwäsche" hat es geschafft, dass Modellbahn gleich Märklin-H0 ist (manchmal werden noch Fleischmann, Roco und Piko und in der Schweiz selbstverständlich HAG genannt). Was aber erstere nicht vor der Insolvenz bewahrte. Und darum ist diese Seite so wichtig - wir wollen Informationen bereitstellen für jene, die nach brauchbaren Alternativen zum Mainstream suchen. Kaum ein Hobby ist so vielseitig und lehrreich wie die Modelleisenbahn in ihren zahlreichen Facetten.
Ganz unbekannt ist TT in der Schweiz freilich nicht. Als H0m finden zumindest die 12 mm- Gleise seit vielen Jahren für die Schmalspurfans der RhB und der anderen Schweizer Meterspurbahnen Verwendung. Und als H0-Gleishersteller hat Tillig auch einen hervorragenden Namen in der Schweiz.
TT ist, was das Angebot für die Schweiz angeht, heute dort wo die Spurweite N in den 1970er Jahren war.
Was das Bahnland Schweiz angeht, so werden wir weiterhin unseren Teil dazu beitragen, dass es auch in der Schweiz mit TT aufwärts geht.
(Einige Textpassagen zur TT-Geschichte im ersten Teil auf dieser Seite stammen von Michael Houben und dessen sehenswerter TT-Webseite). Dort findet sich auch eine umfangreiche Zusammenstellung über moderne DB- Modelle.
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04.01.2012 Disclaimer |